Was ist ein Markt? Wie kommt der Preis zustande?

Die 7a der Realschule Schloß Neuhaus besucht den örtlichen Wochenmarkt.

 

Schloß Neuhaus. Dass Politikunterricht nicht immer im Klassenraum stattfinden muss, dies erlebte am Donnerstagmorgen die 7a der Realschule Schloß Neuhaus. Politikunterricht in der ersten Stunde frühmorgens – ob da alle Schülerinnen und Schüler einer siebten Klasse immer schon richtig wach und bei (Unterrichts-) Sache sind? Ja, diesmal schon.

 

Pünktlich um 7:45 standen die 27 Schülerinnen und Schüler der 7a mit ihrem Politiklehrer im Schlossinnenhof, um den Schloß Neuhäuser Wochenmarkt zu besuchen. Für viele der Siebtklässler war dies der erste Marktbesuch, kennen sie doch eher den Einkauf beim Discounter. Es galt, vor Ort sich von Experten die Frage beantworten zu lassen: Wie kommt eigentlich der Preis von Kartoffeln, Marmelade und Wurst zustande?

 

Zunächst stand aber nach dem kurzen Spaziergang vom Neuhäuser Schloss zum nahe gelegenen Wochenmarkt ein Rundgang an, um sich einen schnellen Überblick zu verschaffen von dem reichhaltigen Angebot der Standbetreiber: Das war vielen aus der Klasse nicht vertraut,dass man in Schloß Neuhaus donnerstags morgens Gemüse, Obst, Marmelade, Wurst, Backwaren, Blumen, ja sogar Fisch (merkte eine Schülerin an) in großer Vielfalt einkaufen kann. Schon mal wieder was dazu gelernt.

 

Schüler erkunden den Wochenmarkt

 

An einem kleinen Stand umringten die Schüler die freundliche Standbetreiberin und befragten sie zu ihrem Angebot. Wie viel unterschiedliche Marmeladensorten sie denn anbiete? Und warum die denn unterschiedlich viel kosten würden? Geduldig, freundlich und ausführlich wurden derartige Fragen von Frau Koschorreck beantwortet. Alles werde frisch zubereitet, die Naturprodukte entstammten im Regelfall dem eigenen Garten, alles werde selbst geerntet und zubereitet, frühmorgens am Markttag antransportiert und an viele Stammkunden verkauft. Ja, Erdbeermarmelade sei die Lieblingsmarmelade vieler Kunden – ob sie da nicht den Preis erhöhen könne, um mehr zu verdienen - das sei wohl nicht so klug, würde dies wohl viele Käufer abschrecken, die dann woanders sich bedienten. Bei diesem Hin und Her von Fragen und Antworten wurde zwischendurch auch noch Kunden bedient, Waren ausgesucht, verpackt, abgewogen, der Preis zum Erstaunen der Jugendlichen im Kopf ausgerechnet – und auf diese Weise von den jungen Marktbesuchern erlebt, was bei der Preisgestaltung alles eine Rolle spielt.

 

Weiter ging`s zum Kartoffelstand Winkelheide. Der Chef freute sich schon auf einen Schnack mit dem jungen Publikum, das erstaunt war, gibt es doch mehr als nur eine Kartoffelsorte mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und Kocheigenschaften, Knollen für den Kartoffelsalat, ausgesucht kleine Kartoffeln für die 'Pellkartoffel mit Kräuterquark' usw., usw.. Ob er die Kartoffel denn alle selber anbaue, wie viel Zentner er denn am Tag abgebe, ob das nicht alles sehr schwer sei – alle diese Fragen wurden beantwortet. „Na,“ mag sich so mancher Junge, so manches Mädchen gedacht habe: „ Es gibt ja doch viele Einflussgrößen auf den Preis, da muss ich wohl noch mal drüber nachdenken.“ Die Klasse hätte weitergefragt und weitergefragt, wäre da nicht der Lehrer gewesen, der die Zeit im Auge behalten musste.

 

Also ab zum Fleischerstand Sander, wo die beiden erfahrenen Verkäuferinnen sichtlichen Spaß hatten, einmal nicht nur zu verkaufen, sondern neugierig fragenden Schülern ihr Tagesgeschäft zu erklären. Stolz wurde eine riesige Sülzwurst präsentiert, die reichhaltige Fleisch- und Wurstauslage kurz erläutert. Doch, man müsse diesen Beruf von Grund auf erlernen, drei Jahre lang, sonst würde man ja selbst nicht verstehen und erklären können, wie z.B. Wurst hergestellt werde und warum sie diesen oder jenen Preis koste. Und genau dieses Können wurde dann demonstriert. Seit morgens um fünf sei man schon auf den Beinen, solch ein Markt-Tag dauere schon mal über zehn Stunden – und natürlich habe geleistete Arbeit auch ihren Preis. Das konnten die Schülerinnen und Schüler sich nun vorstellen.

 

Und auch hier 'drängelte' schon wieder der Lehrer, denn der nächste Fachkollege wartete bereits auf die Klasse 7a für den nächsten Unterricht. Flugs ging es zurück ins Schloss. „Eigentlich schade, dass wir nicht häufiger auf den Markt gehen,“ sinnierte der Lehrer, „ die waren ja heute richtig gut dabei.“